1. Situation klar benennen
Zuerst einmal eine Bestandsaufnahme
Kurz innehalten und feststellen: Wie ist der aktuelle Status? Du solltest akzeptieren, wenn du ein wirtschaftliches Problem hast — das heißt nicht aufzugeben, sondern mit der echten Arbeit anzufangen. Unsicherheit entsteht hier, wie sonst meist auch, durch Unklarheit und nicht allein durch die schlechten Zahlen.
Studien zeigen: UnternehmerInnen, die früh eine strukturierte Lagebeurteilung machen, treffen bessere Entscheidungen unter Druck [1].
So machst du's:
- Notiere Einnahmen der letzten 3 Monate.
- Schreibe Fixkosten, variable Kosten und private Lebenshaltung auf.
- Schätze realistisch, wie lange du mit dem aktuellen Stand überbrücken kannst (Liquiditätsreserve).
👉 Tipp: Ordne die Fakten, bevor du handelst!
2. Liquidität sichern
Wenig Liquidität → hoher Druck. Mehr Liquidität → Bewegungsfreiheit.
In einer Phase mit sinkenden Einnahmen ist die Sicherung deiner Zahlungsfähigkeit der wichtigste Hebel – bevor du an Zukunftsideen denkst. Fast alle Krisen-Guides für Selbstständige und KMU legen diesen Fokus an erste Stelle [1].
Praktische Hebel:
- Erstelle einen einfachen Cash-Flow-Überblick (Ein- vs. Auszahlungen)
- Schiebe nicht notwendige Ausgaben auf
- Passe ggf. Steuervorauszahlungen an → Vorauszahlungen anpassen
- Setze Prioritäten: Löhne, Miete, Versicherungen zuerst
💡 Liquidität ist kein Luxus. Sie ist der Raum, in dem du konstruktiv denkst und handelst.
3. Kosten prüfen
Kosten kürzen darf nicht kaputt sparen heißen.
Nicht jede Ausgabe gehört gestrichen. Entscheide mit Blick auf die Wirkung und Dauer von Ausgaben. In der Krise kann es sinnvoll sein, deine Fixkosten zu reduzieren, bevor du variable Leistungen blockierst.
Checkliste zur Priorisierung:
- Unverzichtbar: Dinge, die deine Existenz sichern
- Pausierbar: Temporäre Kürzungen ohne dauerhaften Schaden
- Überflüssig: Dinge, die aktuell keinen direkten Beitrag zu deinem Business leisten
👉 Jeder Euro zählt – aber nicht jeder Euro muss sofort weg.
4. Einnahmen stabilisieren
Wenn Umsatz sinkt, verstärkt sich oft der Fokus auf interne Probleme. Gleichzeitig besteht eine der größten Chancen darin, aktiv Kontakte, Angebote oder Sichtbarkeit zu stärken [1].
Maßnahmen, die Wirkung zeigen:
- Kontaktiere bestehende KundInnen mit konkreten Angeboten
- Überdenke Preis- und Leistungsstruktur
- Erkundige dich nach Förderprogrammen oder Zuschüssen, die speziell Selbstständige unterstützen
5. Perspektive erweitern und Chancen erkennen
Schwierige Phasen zwingen dich, alte Muster zu hinterfragen. Das kann dazu führen, dass du Wege findest, die du vorher nicht gesehen hast.
Beispiele für denkbare Chancen:
- Zusätzliche oder digitale Leistungen einführen.
- Nebenerwerbliche Angebote testen.
- Kooperationen mit anderen Selbstständigen formen.
Nicht jede Krise ist gleich, aber jede enthält Lernimpulse.
6. Austausch suchen
Klar denken braucht Raum und Perspektiven.
Isolation verstärkt den Druck, du beschäftigst dich ganz allein und noch mehr mit deinen Problemen. Gespräche mit anderen Selbstständigen, MentorInnen oder in fachlichen Netzwerken verschaffen neue Sichtweisen und entlasten [1].
Konkrete Ideen:
- Einer Selbstständigen-Community beitreten
- Ein Gespräch mit einer Beratungsstelle suchen
- Austausch mit Gleichgesinnten in deinem Feld suchen
Deine Checkliste für den Ernstfall
- Status erfassen: Einnahmen, Kosten, Reserve
- Liquidität sichern → Zahlungen priorisieren
- Kosten bewusst prüfen, nicht panisch kürzen
- Bestehende KundInnen aktiv ansprechen
- Kleine Schritte erzeugen neues Momentum
- Unterstützung holen → fachlich + emotional
Wenn es schlechter läuft, geht es zuerst um Handlungsfähigkeit und Stabilität – nicht um Perfektion. Jede Maßnahme, die dir Raum zum Atmen verschafft, ist ein Schritt nach vorn.