Ein Reality-Check
Selbstständige in Deutschland haben oft nur halb so hohe gesetzliche Rentenansprüche wie Angestellte, warnt die OECD. Eine ifo-Studie zeigt: Nur drei Prozent sorgen gar nicht vor, doch 32 Prozent zweifeln am Lebensstandard im Alter. Die Rentenlücke droht besonders FreiberuflerInnen und Gewerbetreibenden. Die private Vorsorge schließt Lücken, wo der Staat aussteigt.
Schnelle erste Schritte
- Prüfe deinen Status bei der Deutschen Rentenversicherung: Bist du pflichtversichert (z. B. als KünstlerIn über die Künstlersozialkasse)? Sonst kannst du dich freiwillig anmelden oder anders vorsorgen.
- Errechne deinen Bedarf: Nimm dafür ungefähr 70–80 Prozent deines aktuellen Einkommens als Ziel [2].
- Wähle eine Säule: Basisrente für Steuervorteile, private Police für Flexibilität
- Zahle ein: Starte mit 100–500 € monatlich, passe die Vorsorgezahlungen an dein Einkommen an
Deine Optionen
Freiwillige gesetzliche Rentenversicherung
- Geeignet für alle Selbstständigen ohne Pflichtversicherung (Freiberufler wie Gewerbetreibende)
- Die Beiträge kannst du jeden Monat flexibel zwischen 103 € und 1.497 € zahlen oder auch mal auslassen oder erst am Jahresende zahlen
- Alternativ: monatlicher Pauschalbeitrag von 736 € (im Gründungsjahr halbiert: 368 €)
- Vorteile: sichert Wartezeiten, dynamische Anpassung an Lohnentwicklung, solide Basis
- Nachteile: niedrige Rendite (aktuell ca. 2–3 Prozent real), keine steuerliche Förderung
- Ideal als Einstieg und wenn du später evtl. wieder in ein Angestellten-Verhältnis wechseln willst
Basisrente (ehemals Rürup)
- Geeignet für höhere Einkommen und Selbstständige mit stabilem Cashflow
- Bis 30.826 € jährlich (2026) sind steuerlich absetzbar
- Einmal im Rentenalter erhältst du lebenslang die volle Auszahlung
- Vorteile: hoher Steuerersparnis-Effekt (bis 100 Prozent absetzbar), Garantieleistung
- Nachteile: wenig flexibel (Bindung bis Auszahlung), 84 Prozent der Rente später steuerpflichtig
→ Starte mit Einmalzahlungen, wenn dein Einkommen schwankt.
Riester-Rente
- Nur möglich für Selbstständige mit PartnerIn in der gesetzlichen Rentenversicherung oder für KSK-Mitglieder
- Zulagen bis 175 € pro Jahr plus 4 Prozent pro Kind; Sockelbeitrag mindestens 60 €
- Vorteile: staatliche Zulagen und Steuerbonus pumpen dein Sparen auf; familienfreundlich
- Nachteile: hohe Kosten durch Abschlussgebühren; bürokratisch
→ Lohnt sich mit Familie und bei niedrigen Einkommen.
Private Rentenversicherung
- Für FlexibilitätsliebhaberInnen, die Fonds oder Garantien wollen
- Beiträge beginnen bei 50 € monatlich und sind meist frei anpassbar
- Unter Umständen steuerfrei ab 62 Jahren
- Vorteile: Fondsoptionen für höhere Rendite (4–6 Prozent möglich), weltweite Investition möglich
- Nachteile: keine Garantien bei Marktschwankungen, Auszahlungen sind steuerpflichtig
Breite private Vorsorge
Die private Vorsorge ist für alle eine gute Ergänzung:
- z. B. in Form von ETFs, Immobilien oder Depot-Sparen
- Du kannst hier flexibel selbst gestalten, bist selten langfristig gebunden
- Ziel: 5–7 Prozent Rendite langfristig
- Vorteile: liquide Mittel oft zugänglich, Wachstumspotenzial, diversifizierbar
- Nachteile: höheres Risiko, erfordert Disziplin und Wissen